Wo kommt der eigentlich her?
Reisen wir einmal zurück ins 17. Jahrhundert, als die Welt voll mit Eroberern und Entdeckern war… Das Gebiet des Amazonas schien eine Reise wert, besonders die niederländischen Seefahrer interessierten sich dafür. Aber auch die Portugiesen trugen ihren Teil dazu bei. Sie besaßen auf dem Landgebiet des heutigen Brasiliens eine Kolonie. Beheimatet waren dort auch die indigenen Völker, darunter die Guaraní. Als versierte Landwirte wussten die Guaraní auch mit ihren angebauten Produkten umzugehen. Eine der Spezialitäten, war Abacate, ein Getränk der Ureinwohner, hergestellt aus frischen und reifen Avocados. Die Europäer waren sofort begeistert von dieser exotischen Spezialität und beschlossen, Abacate mit nach Europa zu bringen. Gesagt, getan! Die Niederländer verschifften einen Teil der aus dem Amazonasgebiet entnommenen Avocado-Pflanzen zu ihren Kolonien im indischen Ozean. Sicherlich ein cleverer Schachzug, waren doch die dortigen klimatischen Verhältnisse denen im Amazonas ähnlich. Zumindest deutlich ähnlicher als in Nordeuropa, wo die Avocado schlichtweg nicht gedeihen wollte. So konnten die Niederländer noch einige Jahre weiter den Abacate nach, mehr oder weniger, Originalrezept herstellen. Dennoch wollte man gerne dieses exotische Elixier auch in Europa genießen, ohne die großen Wege zu den indonesischen Kolonien.
Abacate -> Advocaat -> Eierlikör!
Im Laufe der Zeit wurde der Abacate verfeinert, Rum und Rohrzucker wurden der Ursprungsrezeptur beigefügt. Das Ergebnis wurde Advocaat getauft. Jetzt klingelt es vielleicht dem einen oder anderen schon im Ohr. Ja Advocaat, das klingt schon mehr nach Eierlikör. Im Übrigen unterscheidet man heute nicht nur namenkundlich zwischen Eierlikör und Advocaat. Auch in Punkto Zusammensetzung gibt es einen Unterschied. Denn ein Likör, der sich als Advocaat bezeichnen möchte, muss mindestens 140g Eigelb auf einen Liter Spirituose mischen und mindestens 150g Invertzucker pro Liter enthalten. Doch zurück zur Geschichte, denn im frühen Advocaat der Zentraleuropäer waren ja noch immer keine Eier mit im Spiel. Aber wie kam´s dann nun zum Eierlikör? Ganz einfach: Es wurde zunehmend schwieriger in Europa, Avocados aufzutreiben. Was man jedoch reichlich hatte: Hühner und dementsprechend auch Eier. So kam, nach eigenen Angaben, kein geringerer als Eugen Verpoorten auf die Idee, Eier statt Avocados zu nehmen. Warum auch nicht, waren doch Textur und Farbe beider Naturprodukte verhältnismäßig ähnlich. 1876 gründete er das Familienunternehmen und wurde seither Synonym für Eierlikör.
Bombardino: die italienische Antwort auf Eierlikör
Ganz unabhängig von der Entstehungs-Geschichte des bei uns bekannten Eierlikörs, wurde auch in Italien eine Eierlikör Rezeptur entwickelt, nur eben auf völlig anderen Wegen. Tatsächlich kam 1845 der italienische Bäcker Gian Battista Pezziol auf das Rezept für Eierlikör, der in Italien Bombardino genannt wurde. Der Bäcker hatte schlichtweg zu viel Eigelb übrig, denn sein eigentlicher Produktionsfokus lag auf der Herstellung von weißem Nougat. Natürlich war es zu schade, das nicht benötigte Eigelb zu entsorgen. Und so wollte er irgendetwas daraus machen. Also hat er einfach Rum, Zucker und Marsala, ein bereits damals geschätzter Likörwein aus Sizilien, unter das Eigelb gemischt und war dann überrascht, wie lecker diese neue Likör Kreation geworden ist.
